Landwirtschaft und Ernährungssicherheit

Am 10. Februar 2026 hielten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität für Bodenkultur und der FH Oberösterreich beim Landtechnikunternehmen Pöttinger in Grieskirchen einen Vortrag zum Thema Landwirtschaft und Ernährungssicherheit.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Ernährungssicherheit langfristig gewährleistet werden kann. Dabei wurde deutlich: Dass Lebensmittel in Österreich in hoher Qualität und ausreichender Menge verfügbar sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Hinter dieser Sicherheit stehen viele Jahrzehnte – sogar Jahrhunderte – an Forschung, etwa in der Pflanzenzüchtung, bei Pflanzeninhaltsstoffen und im Pflanzenschutz.

Die Expertinnen und Experten betonten, wie wichtig ein sachlicher und faktenbasierter Zugang zu diesen Themen ist. Nur durch wissenschaftliche Erkenntnisse und einen offenen Dialog können Sorgen ernst genommen und gleichzeitig nachhaltige Lösungen entwickelt werden.

So leistet die Forschung einen entscheidenden Beitrag für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und eine sichere, gesunde Ernährung für kommende Generationen.

Expertinnen und Experten

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Univ. Prof. Siegrid Steinkellner, Universität für Bodenkultur Wien

Bedeutung und aktuelle Entwicklung des Pflanzenschutzes

Univ. Prof. Siegrid Steinkellner von der Universität für Bodenkultur Wien sprach über die Erwartungen und Herausforderungen im Pflanzenschutz.

Lebensmittel sollen leistbar, umweltschonend produziert und qualitativ hochwertig sein. Gleichzeitig gibt es in der Bevölkerung wachsende Sorgen – insbesondere gegenüber Pflanzenschutzmitteln.

Prof. Steinkellner stellte klar: Weltweit ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gestiegen und wird in vielen Regionen weiter steigen. In Österreich hingegen ist die Anwendung in den letzten Jahren zurückgegangen.

Die Forschung arbeitet daran, chemische Pflanzenschutzmittel weiter zu reduzieren und gleichzeitig Erntemengen sowie Qualität zu sichern. Dabei werden unterschiedliche Methoden – etwa mechanischer Pflanzenschutz – kombiniert und das gesamte landwirtschaftliche System betrachtet.

In der Diskussion zeigte sich zudem, dass die öffentliche Debatte von einer stärkeren Einbindung wissenschaftlicher Fakten profitieren würde.

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FH-Prof. Julian Weghuber, FH Oberösterreich

Bioaktive Pflanzeninhaltsstoffe zur Steigerung der menschlichen Gesundheit 

Bei FH-Prof. Julian Weghuber von der FH Oberösterreich steht die Identifizierung und Nutzbarmachung sogenannter sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe, etwa Bitterstoffe, im Mittelpunkt.

Diese bioaktiven Stoffe könnten eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Krankheiten wie Diabetes, Verdauungsproblemen, Übergewicht oder Krebs spielen. Entscheidend ist dabei nicht nur ihre Identifikation, sondern auch die richtige Verarbeitung, damit der menschliche Körper sie optimal aufnehmen kann. Traditionelle Methoden wie die Fermentation gewinnen hier wieder an Bedeutung.

FH-Prof. Weghuber betonte: Unser Gesundheitssystem braucht einen stärkeren Fokus auf Prävention, um Lebensqualität zu erhöhen und Kosten zu senken. Bioaktive Pflanzenstoffe leisten dazu einen wichtigen Beitrag – und viele potenzielle Wirkstoffe warten noch auf ihre Entdeckung.

Zur Präsentation

Univ. Prof. Eva Stöger, Universität für Bodenkultur Wien

Beitrag von Genetik und Züchtung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Im Mittelpunkt der Ausführungen von Prof. Eva Stöger stand die sogenannte neue Gentechnik, insbesondere Werkzeuge wie die „Genschere“.

Sie betonte die große Herausforderung, die weltweite Nahrungsmittelversorgung zu sichern – bei gleichzeitig weniger Ackerfläche sowie reduziertem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Neue, präzisere Züchtungsmethoden könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig gibt es in Österreich eine spürbare Skepsis gegenüber der neuen Gentechnik.

Fakt ist: Mithilfe moderner Genomeditierung können gewünschte Veränderungen gezielter und schneller umgesetzt werden als mit herkömmlichen Methoden. Sie ist kein Allheilmittel, kann die Pflanzenzüchtung jedoch deutlich beschleunigen.

Bereits erprobte Anwendungen sind etwa eine erhöhte Resistenz gegen Mehltau bei Getreide oder Obstsorten, die nach dem Anschneiden kaum braun werden.

Bedenken, wonach durch diese Züchtungsmethoden Sorten mit geringerem Nährwert entstehen könnten, wies Prof. Stöger zurück. Im Gegenteil: Die Genschere wird auch genutzt, um stillgelegte Gene wieder zu aktivieren und wertvolle Inhaltsstoffe alter Kultursorten zurückzugewinnen.